Unsere Vision

Die Trustnet Vision

Das Designziel für das World Wide Web war einfacher Informationsaustausch. Die generelle Überprüfbarkeit von Informationen war nicht Bestandteil der Konzeption. Im Nachhinein entstand zwar ein regelrechter Wildwuchs an Verfahren, um Akteure identifizierbar und Informationen überprüfbar zu machen, aber die daraus entstandene Vielzahl an Insellösungen kann das grundlegende Vertrauensproblem im digitalen Raum nicht lösen. Es ist Zeit, die DNA des World Wide Web zu verändern. Das Thema der hier adressierten Community ist das Trustnet – die nächste Evolutionsstufe des Internets. Das heutige Internet der Informationen (WWW), in dem die meisten von uns täglich unterwegs sind, grenzt sich hinsichtlich Auffindbarkeit/Sichtbarkeit von Informationen schon heute vom sogenannten Darknet ab. Akteure im Darknet verschaffen sich Anonymität, im WWW wird das Identifizieren von Akteuren durch Pseudonymität erschwert. Dem Bedarf der Nutzer nach Vertrauen im Internet wird hier bislang nicht hinreichend Rechnung getragen. Mit dem Trustnet soll deswegen durch Mechanismen für digitales Vertrauen ein rechtssicherer digitaler Raum entstehen.

Ein Mann sitzt in einem großen Raum und schaut zu digitalen Personen herauf, die über ihm schweben.

Unser Bestreben

Eindeutige Identifizierbarkeit

Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft sollen im Zuge von Geschäftsprozessen eindeutig identifizierbar sein

Vertrauenswürdige Informationen

Informationen sollen automatisch verifizierbar, um ihre Vertrauenswürdigkeit herzustellen.

Rechtssicherheit

Transaktionen sicher und rechtskonform stattfinden

Datenhoheit

Nutzer Hoheit über ihre eigenen Daten haben
All dies erfordert eine Weiterentwicklung des Internets, an dem nicht nur der Staat, sondern alle Diensteanbieter, Nutzer und Stakeholder, die Vertrauen bei digitalen Interaktionen benötigen, aktiv mitwirken müssen. Wir nennen es Trustnet. Die Vision unserer Innovationscommunity ist die Erweiterung des bestehenden Internets der Informationen um dieses Internet der Werte und Originale (Trustnet) – einer der größten digitalen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte.

Definition

Das Trustnet ist das universelle digitale Abbild von Beziehungen zwischen Personen, Organisationen und Objekten der Realwelt. Es ermöglicht vertrauenswürdige und rechtskonforme digitale Interaktionen und verhindert Fake und Betrug. Die Grundlage dafür ist ein einheitlicher, skalierbarer Vertrauensmechanismus für den Austausch und die Prüfung von digitalen Nachweisen zu beliebigen Sachverhalten. Damit wird die Organisation von und der Zugang zu offenen digitalen Ökosystemen radikal vereinfacht.

Sowohl Privatheit als auch Identifizierbarkeit - gewichtet je nach Anwendungsfall - sind wichtige Forderungen im digitalen Raum und daher Designkriterien des Trustnets. Jeder digitale Akteur hat das Recht, nur so viele personenbezogene Informationen im Netz bereitzustellen, wie er will. Jemandem, der seine Identität verbirgt, kann man jedoch nur sehr begrenzt Vertrauen entgegenbringen, denn Pseudonymität und Anonymität erschweren die Durchsetzung des geltenden Rechts. Für Vertrauen im Netz sind Transparenz und Überprüfbarkeit jeweils relevanter Identitätsmerkmale erforderlich. Der technologische Schlüssel dafür ist die Verbindung des Werkzeugs der überprüfbaren Nachweise (Verifiable Credentials) mit dem Prinzip der selbstbestimmten Identitäten (SSI). Mit dem SSI-Prinzip lässt sich jede Art von überprüfbaren Nachweisen digital herausgeben, vorzeigen und verifizieren1. Der damit entstehende universelle Vertrauensmechanismus für Austausch und Überprüfung von Informationen ist der Gamechanger im Kontext des Trustnets, denn im Unterschied zu signierten PDF-Dokumenten sind Verifiable Credentials hinsichtlich der Authentizität von Herausgeber, Empfänger und Inhalt überprüfbar. Sie sind maschinenlesbar, auch in Bezug auf einzelne Attribute, und dank des Austauschprotokolls im Internet skalierbar. Jede Information, die nach dieser Methode digital zur Verfügung gestellt wird, kann unter verschiedenen Vertrauensfragen automatisiert überprüft werden. Die Umsetzung dieser Vision erfordert die Festlegung von Rahmenbedingungen (Trust Framework) für sichere digitale Identitäten von hoheitlichen Entitäten, Organisationen, natürlichen Personen und Objekten und ein nutzerzentriertes ID-Ökosystem mit einer Vielzahl kompatibler ID-Dienste, die den spezifischen Bedürfnissen verschiedener Nutzergruppen gerecht werden.

Eine Tabelle, die Darknet, World wide web und Trustnet miteinander vergleicht
Abb. 1: künftige Erweiterung des Internets um das Trustnet
Unterschiede zum bestehenden World Wide Web

Obenstehende Abbildung zeigt die Unterschiede in der Umsetzung von Darknet, World Wide Web und Trustnet anhand der vier Ebenen des  Trustnet-Stacks , welcher auf dem TrustoverIP-Stack beruht. Die Basistechnologie für die Zuordnung von Entität und Identität beinhaltet beim Trustnet kryptographische Funktionen und Speicher sowie dezentrale Identifikatoren (DIDs). Um digitale Beziehungen zwischen Akteuren über exklusive Kommunikationskanäle herzustellen, werden Wallets als Speicher verwendet und dazu Agents als Software für das sichere Kommunikations- und Rollenmanagement. Diese können als Edge-Wallet und Edge-Agent auf (mobilen) Endgeräten laufen oder als Service in Form von Cloud-Wallet und Cloud-Agent angeboten und genutzt werden. Auf Ebene der Vertrauensdomänen erfolgen Identifikation, Authentifikation und Autorisierung im Trustnet künftig einheitlich durch Verifiable Credentials. Die Überprüfbarkeit der Authentizität von Herausgeberschaft, Empfänger und Inhalt der Credentials durch einen einheitlichen Mechanismus (SSI-Prinzip) ist das Kernelement zur Entwicklung des Trustnets. Auf Ebene der Anwendungsökosysteme bestimmen künftig die Anwender durch die von ihnen einzusetzenden Kontrollorgane selbst die Spielregeln der digitalen Interaktionen. Ein maßgeblicher technischer Unterschied liegt im Prinzip der exklusiven Kommunikationskanäle des oben erwähnten Kommunikationssystems. Untenstehende Abbildung zeigt das Prinzip einmal für private DIDs und einmal für die öffentliche DID eines hoheitlichen Akteurs. Die DID als Identifikator ist dabei vergleichbar mit einer Telefonnummer. Ein Akteur kann theoretisch über beliebig viele DIDs verfügen. Exklusive Kommunikationskanäle entstehen dadurch, dass ein Akteur für jeden Interaktionspartner unter einer anderen DID erreichbar ist (private DID bzw. Peer-to-Peer DID). Ein z.B. öffentlicher Akteur kann aber auch unter einer DID für alle erreichbar sein (public DID). Im Gegensatz zum WWW erfolgt das Management all dieser Kommunikationskanäle nicht durch einen Browser, sondern durch Wallet und Agent auf beiden Seiten des Kanals. Es gibt verschiedene Methoden, um DIDs zu generieren und abzuspeichern. Solange die Zuordnung von DID zum Akteur über ein DID-Dokument in einer zugänglichen Dateninfrastruktur überprüft werden kann, ist die Prüfung von Herausgeberschaft bzw. Empfängerschaft eines mit dieser DID signierten Verifiable Credentials möglich. Ist diese Zuordnung in einer Dateninfrastruktur nicht möglich, dann muss der Akteur dieselbe DID für alle Interaktionspartner verwenden, die derselben Vertrauensdomäne angehören, um Herausgeberschaft bzw. Empfängerschaft des zugehörigen Credentials prüfbar zu machen. Signiert z.B. ein Akteur ein digitales SEPA-Lastschriftmandat, kann der Empfänger dieses Credentials es nur dann bei der Bank des Akteurs einlösen, wenn die Bank die Herausgeberschaft prüfen kann, wofür sie entweder in ihrem eigenen „Telefonverzeichnis“ oder in einem online verfügbaren „Telefonbuch“ nachsehen muss.

Eine Grafik zeigt Menschen, die mittels P2P DIDs miteinander kommunizieren
Eine Grafik zeigt Menschen, die mittels öffentlichen DIDs miteinander kommunizieren

Abbildung 2: Prinzip der exklusiven Kommunikationskanäle für Peer-to-Peer DIDs und für eine public DID

Fußnoten

© 2025 Alle Rechte vorbehalten Innoloft GmbH
Logo